Zu den Inhalten springen

Vorsorge durch Kapsel-Koloskopie

Deutschland ist das erste Land, das die Kapsel-Koloskopie einführt und das Klinikum Duisburg zählt zu den bisher bundesweit 30 Kliniken, die ihren Patienten dieses Verfahren zur Untersuchung des Dickdarms anbietet.

In Deutschland erkranken jährlich rund 70.000 Menschen an einem kolorektalen Karzinom, knapp die Hälfte davon stirbt tumorbedingt. Diese Rate könnte geringer sein, wenn die Erkrankungen früher entdeckt werden würden. Aber die von den Krankenkassen empfohlene Vorsorgeuntersuchung wird bisher lediglich von zirka acht Prozent der Männer und 15 Prozent der Frauen wahrgenommen. Warum auch zum Arzt, wenn es keine Probleme gibt? Diese Einstellung ist tückisch, gerade beim Dickdarmkrebs, der sich sehr langsam entwickelt und lange ohne Beschwerden ist. Wenn dann aber Durchfall oder Verstopfung, Schmerzen, auffallende Blässe oder Gewichtsabnahme einsetzen, ist es oft schon zu spät. Angst und Vorurteile sind die häufigsten Gründe, dass Menschen eine Darmvorsorge meiden.

Professor Dr. Stephan Petrasch, Chefarzt der Inneren Medizin am Klinikum Duisburg, setzt daher auf eine neue Diagnosemethode, die Kapsel-Koloskopie. Mit ihr lässt sich – analog zur etablierten Kapsel-Endoskopie für den Dünndarm – der Dickdarm untersuchen. Der Patient schluckt dafür eine 11x31 mm große Kapsel, die so genannte Colon-Kapsel, die mit zwei Videokameras und einer Lichtquelle ausgestattet ist. Während der Darmpassage liefert sie pro Sekunde zwei Bilder je Kamera, die mittels eines Empfangsgerätes, das der Patient an einem Gürtel bei sich trägt, aufgezeichnet und im Anschluss vom Arzt ausgewertet werden.

Der Patient kann sich während der gesamten Zeit der Untersuchung frei bewegen und seinen normalen Aktivitäten nachgehen. Die Reise der Kapsel durch den Darm verläuft vom Patienten unbemerkt und wird nicht als störend empfunden. Lediglich die acht Kontrollsonden, die zuvor auf der Haut des Patienten befestigt werden, sind spürbar. Die natürliche Darmbewegung transportiert die Einmal-Kapsel durch den Körper und sorgt für eine anschließende Ausscheidung. Die Kapsel-Koloskopie ist als ergänzende Methode besonders geeignet für Patienten, bei denen eine herkömmliche Koloskopie nicht oder nur mit einem Verletzungsrisiko der Darmwand möglich ist. Sie kann zudem bei Patienten angewendet werden, deren Koloskopie unvollständig war oder die sich keiner herkömmlichen Koloskopie unterziehen wollen, sowie bei entzündlichen Darmkrankheiten, deren Heilungserfolg überwacht werden soll.

Weitere Informationen